Gottesdienst zur Erinnerung an mein verstorbenes (Geschwister-)Kind
19. September 2010  
Dort, wo Eltern auf unserm Friedhof ihrer verstorbenen Kinder gedenken, setzt sich ein goldener Bote Gottes, kaum ein Meter groß in zweieinhalb Metern Höhe dem Wind aus, der eher an ein Mädchen denken lässt, das nun den Weg zur Trauerstätte weist. Seine Haare sind streng nach hinten, als wäre er herbei geeilt. Einen Arm gestreckt hält er die Trompete verkündend; der andere Arm erhoben, deutet auf die Wichtigkeit der Botschaft. Der Mensch im Wechsel der Zeiten von Freude und Trauer, von Hoffen und Bangen möge aufhorchen und bedenken, was der Bote zu sagen hat. Mag es die frohe Botschaft sein wie damals in kalter Winternacht zu den Hirten auf dem Feld, dass der Heiland geboren ist? Oder mag es einer der Boten sein, die zum jüngsten Gericht blasen? Oder ist es einer der Heerscharen, die uns wissen lassen, dass alles seine Zeit hat; dass das Leben des Menschen bestenfalls 70, 80 Jahre dauert, doch oft schon weniger, aber dass das Leben hier und jetzt wie auch im Jenseits in Gottes gütiger Hand liegt.
Es ist ein Engel des Windes, der sich dreht, woher der Wind weht, mal mit kaltem Ostwind. Sein Kleid wird sich im Wind verfangen und er wird gegen den Wind nach Osten schauen zum gelobten Land hin, wo sie Sonne aufgeht. Oder er wird mit einem Hoch aus dem Westen dorthin schauen, wo die Sonne untergeht am Ende eines Tages. Gleich einem Boten des Lebens von Geburt bis zum Tod weist er auf die Zeit von Ankunft und Abschied, die für jeden kommt.

Der Engel will uns mahnen, unsere Lebenszeit wohl zu bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden. Dass die Zeit geschenkt ist, die uns gleich den Gaben und Talenten, Erlebnissen und Fähigkeiten anvertraut ist. So möge und kann jeder und jede beim Anblick des unsteten Engels im Wind für einen Augenblick innehalten.

Heinz-Ludwig Balzer

Bilder: Norbert Sdunzik    

 

04. September 2005

...„Solange wir leben werden auch sie leben, denn sie sind ein Teil von uns, wenn wir uns an sie erinnern...“ –dieses Gebet aus einem jüdischen Gebetsbuch können wahrscheinlich alle betroffenen Eltern, Geschwister, Familienangehörige und Freunde mittragen, die an diesem strahlenden Sonntagnachmittag zum Gottesdienst an der Trauerstätte zusammengekommen waren.

Gemeinsam trauern, sich erinnern und der toten Kinder gedenken dürfen- viel zu selten haben Betroffene im Alltag dazu Gelegenheit. Die diesjährige Gottesdienstfeier bot hierzu den Raum. Sowohl in den Gebeten und den Liedern,besonders aber auch in der bewegenden Ansprache von Dr. Werner Kleine wurde deutlich, wie sehr der Tod eines Kindes unser Leben auf den Kopf stellt, uns den Boden unter den Füßen wegreißt, wie tief der Schmerz bleibt, der uns begleitet.

Aber auch Trost und Hoffnung, ein Ausblick auf die Zukunft hatten Raum, als alle die mochten einen bunten Schmetterling mit dem Namen des verstorbenen Kindes oder einem Symbol  oder Zeichen beschriften konnten. Diese Schmetterlinge steckten die Betroffenen dann in an Stäben in die Erde der Trauerstätte, begleitet durch die Musik von Benjamin und Max Schweder. Gerade die anwesenden Kinder, die um ein Geschwisterkind trauern, freuten sich, ein solches Zeichen setzen zu können :
“Du bist nicht mehr da, aber Du bist in meinem Herzen...“.

Das Gefühl der Gemeinsamkeit, der Verbundenheit  trotz der ganz unterschiedlichen Verluste, die alle ertragen mussten und die sie in diesen Gottesdienst führten, haben bestimmt alle mitgenommen... 

Im nächsten Jahr treffen wir uns am Sonntag, den 10.September 2006, um 15.00 Uhr zum Erinnerungsgottesdienst. 

Text: Doris Budde-Haldenwang
Bilder: Sylvia Wiederspahn